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Bericht zum „Kick-off-Workshop für vesta-Experten“ am 13.12.2017

Am 13.12.2017 fand in Berlin der erste sogenannte „Kick-off-Workshop für vesta-Experten“ statt. Vesta ist eine Arbeitsgruppe der gematik GmbH (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) deren Aufgabe es ist, ein Verzeichnis für telemetrische Anwendungen in der Medizin zu etablieren, sowie deren Interoperabilität zu prüfen. Dies ist eine Vorgabe des Gesetzgebers im Rahmen des bestehenden eHealth Gesetzes, die es nun gilt umzusetzen. Vesta benötigt hierzu das Expertenwissen und entsprechende Stellungnahmen, um zu prüfen, welche Anwendungen in dieses Verzeichnis aufgenommen werden sollen. Möglicherweise ergibt sich daraus in Zukunft auch eine Empfehlung zur Finanzierung einiger Anwendungen. Der Berufsverband der Deutschen Hämostaseologen wurde aufgerufen, einen Experten zu benennen.

Die ganztägige Sitzung, an der etwa 50 Experten aus dem ganzen Bundesgebiet und verschiedener Einrichtungen teilnahmen und durch die Herr Andreas Grode und Frau Sophia Lückhof (vesta-Team) führten, sollte zum gegenwärtigen Stand informieren. Auf der Agende standen die nachfolgenden Themenbereiche:

  • Funktionalität des Portals
  • Prozess und Organisatorisches
  • Bedarf und Möglichkeit für Dialog
  • Stellungnahme und Interoperabilitätsbewertung
  • Sinn und Zweck von vesta
  • Erreichbarkeit von Interoperabilität im deutschen Gesundheitswesen

Es wurde eingangs darauf hingewiesen, dass sich mit der anstehenden und notwendigen Reform des bestehenden eHealth Gesetztes, die Situation möglicherweise komplett ändern könnte, ggf. auch die Zuständigkeit der gematik GmbH in der jetzigen Form in Frage stehe.        

In der Diskussion, die sich nur vage an der o.g. Agenda orientierte, wurde deutlich, dass zahlreiche Begriffe und Sachverhalte nicht eindeutig geklärt, einige Fragen offen waren:

  • Wie kam es zur Auswahl der Experten? (Es wurden offenbar keine Experten abgelehnt)
  • Sprechen die Experten in eigener Person oder im Namen der Organisation, von der aus sie benannt wurden?
  • Geht es bei den Stellungnahmen der Experten um eine technische oder eher um eine inhaltliche Kompatibilität (Interoperabilität) der Systeme?
  • Wie ist die Haftungsfrage geregelt, falls sich ein Experte gegen die Aufnahme einer telemedizinischen Anwendung in das Verzeichnis ausspricht?
  • Erfolgt erst eine Vorstellung der Programme durch den jeweiligen Betreiber mit dem Ziel einer ggf. nachfolgenden Anpassung an bestehende Standards und Normen?
  • Ist der Standard der gematik GmbH selbst Maßstab aller Dinge oder ebenfalls zu überarbeiten?
  • Wie sollte verfahren werden, wenn Experten zu unterschiedlichen Beurteilungen kommen?
  • Was passiert mit telemedizinischen Anwendungen, die bereits schon länger in erfolgreicher Anwendung sind, jedoch dem gematik Standard nicht entsprechen, damit ggf. nicht interoperabel sind?
  • Erfolgt eine Vergütung der Experten für ihre Tätigkeit?

Mit Blick auf das europäische und außereuropäische Ausland, wo die Telematik Infrastruktur vielerorts wesentlich weiter entwickelt sei als hierzulande, war man sich einig, die Fragen zügig klären  zu wollen. Ferner wurde eine Offenlegung etwaiger Interessenskonflikte (z.B. Experte = Anwender, Industrieprodukte vs. unabhängige Programme u.a.) angeregt.

Nach der Mittagspause folgte eine Stellungnahme des Geschäftsführers der gematik GmbH, Herrn Alexander Beyer, der sowohl die Gesellschaftsform der gematik GmbH als auch deren bisherige Erfolge verteidigte. Aus der Expertenrunde folgten hierzu jedoch Anmerkungen, die Kritik an der bisherigen Umsetzung der Gesundheitskarte und damit verbunden, Zweifel an einer interoperablen Anbindung verschiedener telemedizinischer Projekte erahnen ließ.

Es wurden schließlich Themenschwerpunkte definiert, zu denen die Expertenrunde via Pinwand Kommentare beifügen konnte. Eine abschließende Diskussion im Plenum ließ erkennen, dass das Interesse an einer Telematik Infrastruktur bei Medizinern und anderen Leistungserbringern nach wie vor groß ist, insbesondere auch an einer Zusammenführung bestehender Insellösungen. Letztlich ginge es, so der wiederholte Kommentar insbesondere einiger aus der Medizin stammender Experten, um einen funktionierenden Datenaustausch im Sinne einer verbesserten Patientenbehandlung. Ob das in der vorgestellten Weise mit vesta als Koordinator einerseits und einer heterogenen Gruppe von Experten unterschiedlichster Provenienz andererseits funktionieren kann, war am Ende jedoch eher fraglich.

 

Dr. med. Wolfgang Mondorf